Der Garten Gethsemane in Jerusalem

Der Garten Gethsemane am Fuß des Ölbergs in Jerusalem

Der Garten Gethsemane (auch Getsemani bezeichnet) befindet sich am Westhang des Ölbergs in Jerusalem, östlich der Altstadt. Er ist ein biblisches Ort, in welchem nach den Berichten des Matthäus-, Markus- und Lukasevangeliums Jesus Christus in der Nacht vor seiner Kreuzigung betete (vgl. Matthäus 26,36-56; Markus 14,32-52 und Lukas 22,39-46).

Das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 26.
36 Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu den Jüngern: Setzt euch hierher, solange ich dorthin gehe und bete.  
37 Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen.
38 Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet mit mir!
39 Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst! [Die Worte auf der Tafel im Garten Gethsemane: Mein Vater, wenn es möglich ist, so lass diesen Kelch an mir vorübergehen, aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.]
40 Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Konntet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?
41 Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.
42 Zum zweiten Mal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater, ist’s nicht möglich, dass dieser Kelch vorübergehe, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille!
43 Und er kam und fand sie abermals schlafend, und ihre Augen waren voller Schlaf.
44 Und er ließ sie und ging abermals hin und betete zum dritten Mal und redete abermals dieselben Worte.
45 Dann kam er zu den Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, dass der Menschensohn in die Hände der Sünder überantwortet wird.
46 Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät.


Die Überlieferung durch Judas in Verbindung mit der Gefangenname durch die Soldaten und dem Abschied Jesu von Seinen Jüngern soll in unmittelbarer Nähe geschehen sein, aber nicht im Garten Gethsemane.

Der Name des Gartens leitet sich vom hebräischen Begriff Gath-Schmanim (Ölpresse) ab, denn in biblischer Zeit wurde hier das Öl für die Rituale am Tempel gewonnen. Überwiegend wird vom Garten Gethsemane gesprochen und geschrieben, wie in der Lutherbibel und der Elberfelder Bibel.

Der Garten ist in zwei Grundstücke aufgeteilt. Ein ca. 50 Meter x 50 Meter großes Areal des Gartens liegt direkt nördlich der Kirche aller Nationen. Dieses Grundstück ist für die alle Besucher zugänglich. Gegenüber dem Eingang zu diesen Teil des Gartens, also auf der anderen Straßenseite, liegt ein weit größeres Areal des Gartens. Dieses ist nur für Reisegruppen mit Feier der Messe oder Gottesdienstes zugänglich.

Schon in biblischen Zeiten war dieses Gebiet mit Olivenbäumen bepflanzt. Die acht uralten Olivenbäume, die hier stehen, gelten als direkte Nachkömmlinge der Bäume, die zur Zeit von Jesus hier standen. Als die Römer im Jahr 70 n.Ch. die Stadt Jerusalem und den Tempel zerstörten, hatten sie zu diesem Zweck eine Rampe vom Ölberg zum Tempelberg gebaut, und dafür die Bäume abgeschlagen. Aber auch ein verbrannter oder gefällter Olivenbaum treibt schnell wieder aus, und somit könnten die alten Bäume durchaus die Nachkömmlinge aus biblischer Zeit sein.

Im Jahr 1681 wurde der Garten von drei „Kroatischen Ritter des Heiligen Grabes“ aufgekauft und später dem Franziskaner Orden geschenkt. Eine Tafel im Garten erinnert an dieses Ereignis.

Die heute vorhandenen alten Ölbäume wurden wahrscheinlich im 12. Jahrhundert gepflanzt, aber ihr Alter ist umstritten. Eine im Jahr 2012 vom Nationalen Forschungsrat Italiens durchgeführte Studie fand heraus, dass mehrere Olivenbäume im Garten zu den ältesten der Wissenschaft gehören. Datiert wurden sie auf die Jahre 1092, 1166 und 1198 n. Chr. mithilfe der sogenannten Radiokarbonmethode. Die uralten Olivenbäume im Garten Gethsemane wachsen und gedeihen immer noch und die grünen, schmalen Blätter geben ein lebendiges Zeugnis. Für jeden Christen sind diese Olivenbäume ein lebendiger Hinweis auf die Passion Christi.

Der Garten Gethsemane befindet sich gleich neben der Kirche aller Nationen. Die Kirche wurde auf den Überresten einer byzantinischen Basilika aus dem 4. Jahrhundert und einer Kreuzfahrerkapelle aus dem 12. Jahrhundert errichtet. Die Kirche heißt „Kirche aller Nationen“, weil der Bau durch Spendengelder aus zwölf Ländern finanziert wurde. Die römisch-katholische Kirche wurde von Antonio Barluzzi entworfen und 1924 fertiggestellt.

Außergewöhnliche Pilger im Garten Gethsemane waren auch die Päpste, die den Felsen der Agonie Jesu verehrten, aber auch einen Olivenbaum im Heiligen Garten pflanzten. So wie Papst Paul VI. bei seiner Pilgerreise 1964 und Papst Franziskus 2014.

Fotos: ©blogpoligloty.com