Was ist ein nuklearer Schwellenstaat?

Ali-Qapu-Palast, Isfahan

In den Nachrichten hören wir immer wieder von sogenannten nuklearen Schwellenstaaten – zuletzt oft im Zusammenhang mit dem Iran. Aber was genau bedeutet dieser Begriff eigentlich? Und warum ist er politisch so brisant? In diesem Beitrag erkläre ich, was ein nuklearer Schwellenstaat ist, wie der Begriff aufgebaut ist und warum er in der internationalen Politik eine wichtige Rolle spielt.

Was bedeutet „nuklearer Schwellenstaat“?

Ein nuklearer Schwellenstaat (auf Englisch: nuclear threshold state) ist ein Land, das über die technischen Voraussetzungen verfügt, um Atomwaffen zu bauen – es hat dies aber (noch) nicht getan.

Konkret bedeutet das:

  • Das Land besitzt die Fähigkeit zur Urananreicherung oder Plutoniumgewinnung,
  • es verfügt über die notwendige wissenschaftliche und industrielle Infrastruktur,
  • und es ist technisch in der Lage, alle oder fast alle Schritte zur Herstellung einer Atombombe durchzuführen.

Mit anderen Worten: Das Land steht an der Schwelle zur Atommacht, ohne diese Schwelle offiziell zu überschreiten. Daher stammt auch der Begriff Schwellenstaat.

Ein Blick auf das Wort selbst

Der Begriff setzt sich aus zwei Teilen zusammen:

  • nuklear – bezieht sich auf Atomenergie bzw. Atomwaffen.
  • Schwellenstaat – ursprünglich ein wirtschaftspolitischer Begriff: ein Staat, der sich zwischen einem Entwicklungsland und einem Industriestaat befindet. In unserem Fall meint „Schwelle“ die Grenze zur nuklearen Bewaffnung.

Die Kombination ist typisch für die deutsche Sprache, die gern neue zusammengesetzte Substantive bildet, um komplexe Sachverhalte präzise auszudrücken.

Warum ist das politisch relevant?

Nukleare Schwellenstaaten stehen im Fokus internationaler Verhandlungen, weil sie theoretisch jederzeit zu Atommächten werden könnten – wenn sie sich politisch dazu entschließen. Dies ist besonders heikel, weil Atomwaffen eine enorme sicherheitspolitische Bedeutung haben.

Ein aktuelles Beispiel ist der Iran. Viele Expert*innen sehen das Land als nuklearen Schwellenstaat: Es erfüllt fast alle technischen Voraussetzungen dafür, um eine Atombombe bauen zu können, hat aber offiziell keine gebaut. Das sorgt für Spannungen im Nahen Osten und in der internationalen Diplomatie.

„Nuklearer Schwellenstaat“ ist ein typischer Begriff der politischen Sprache: technisch, abstrakt, aber in der Praxis hochbrisant. Wenn du ihn in den Nachrichten hörst, weißt du jetzt: Es geht um Länder, die der nuklearen Schwelle gefährlich nahekommen – und damit im Zentrum globaler Sicherheitsdebatten stehen.

Foto: Ali-Qapu-Palast, Isfahan