„Sag ihr auch“ – Gerd Christian

Hit des Jahres 1979 mit Gerd Christian, Foto Herbert Schulze

Die deutsche Schlagermusik der späten 1970er-Jahre war geprägt von großen Emotionen, melodischer Eingängigkeit und Texten, die oft das Innerste der menschlichen Seele berührten. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür ist das Lied „Sag ihr auch“, das Gerd Christian im Jahr 1979 veröffentlichte. Der Song gehört zählt zu den größten Kulttiteln der DDR-Musikgeschichte und entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem musikalischen Vermächtnis, das bis heute Menschen berührt – unabhängig von Alter oder musikalischen Vorlieben.

Gerd Christian – eine Stimme der Gefühle

Gerd Christian etablierte sich in den 1970er-Jahren als eigenständiger Künstler in der DDR-Schlagerszene. Seine Lieder zeichneten sich durch eine warme, gefühlvolle Stimme und eine glaubwürdige Interpretation aus. Auch „Sag ihr auch“ passt perfekt in dieses künstlerische Profil: Es ist kein lauter Hit, sondern ein stilles musikalisches Geständnis, das gerade durch seine Zurückhaltung berührt.

Inhalt und Botschaft des Liedes

Das Lied wurde von Holger Biege, dem jüngeren Bruder von Gerd Christian, komponiert und von Fred Gertz geschrieben. Im Mittelpunkt von „Sag ihr auch“ steht ein lyrisches Ich, das sich mit einer vergangenen oder verlorenen Liebe auseinandersetzt. Der Erzähler richtet sich an eine dritte Person – möglicherweise einen Freund oder die neue Liebe der ehemaligen Partnerin – und bittet darum, ihr etwas auszurichten. Schon der Titel deutet an, wie wichtig unausgesprochene Worte und nachträgliche Erkenntnisse sind.

Das Lied thematisiert Abschied, Reue und bleibende Gefühle. Es geht nicht um Vorwürfe oder Bitterkeit, sondern um das stille Eingeständnis, dass eine Liebe trotz Trennung weiterlebt. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Song seine emotionale Kraft: Der Protagonist akzeptiert die Situation, ohne seine Gefühle zu verleugnen.

Liedertext

Sag es ihr, wenn du sie wiedersiehst
Dass ich sie nicht vergessen kann
Sag es ihr, wenn du sie von mir grüßt
Ich beneide ihren Mann

Sag ihr auch, ich lieb sie immer noch
Und ich weiß nicht, ob das je vergeht
Sag ihr auch, ich wart’ und träum’ und hoff’
Obwohl ich weiß, es ist zu spät

Frage sie, ob sie im fremden Land
Manchmal sucht den Horizont
Frage sie, ob sie nun alles fand
Was ich ihr nicht geben konnt’

Sag ihr auch, ich lieb sie immer noch
Und ich weiß nicht, ob das je vergeht
Sag ihr auch, ich wart’ und träum’ und hoff’
Obwohl ich weiß, es ist zu spät

Sag es ihr, es führt ein Weg zurück
Falls sie alles mal bereut
Sag es ihr, nicht einen Augenblick
Soll sie zögern, kommt die Zeit

Sag ihr auch, ich lieb sie immer noch
Und ich weiß nicht, ob das je vergeht
Sag ihr auch, ich wart’ und träum’ und hoff’
Obwohl ich weiß, es ist zu spät

Sag ihr auch, ich lieb sie immer noch
Und ich weiß nicht, ob das je vergeht
Sag ihr auch, ich wart’ und träum’ und hoff’
Obwohl ich weiß, es ist zu spät

Musikalische Gestaltung

Musikalisch ist „Sag ihr auch“ typisch für das Ende der 1970er-Jahre. Eine sanfte Melodie, dezente Streicher und ein ruhiges Tempo schaffen eine intime Atmosphäre. Die Instrumentierung drängt sich nie in den Vordergrund, sondern unterstützt den Text und die Stimme von Gerd Christian. Dadurch entsteht ein fast dialogischer Charakter, als würde der Sänger dem Hörer persönlich seine Geschichte anvertrauen.

Vom Osthit zum Klassiker

Die Bedeutung von „Sag ihr auch“ spiegelt sich auch in mehreren großen Publikumsumfragen wider. Bereits 1980 gehörte der Titel zu den beliebtesten Liedern der DDR.

In einer vielbeachteten Umfrage der Zeitschrift „Superillu“ im Jahr 2005 erreichte der Song Platz drei der beliebtesten Osthits aller Zeiten – direkt hinter „Jugendliebe“ von Ute Freudenberg und „Über sieben Brücken musst du gehn“ von Karat.

Der meistgecoverte Osthit

Kaum ein anderer Titel der DDR-Schlagergeschichte wurde so häufig neu interpretiert wie „Sag ihr auch“. Künstler wie Bernhard Brink, die Kastelruther Spatzen, Leonard, Frank Schöbel, Captain Cook, der Montanara Chor oder Heiko Reissig griffen den Song auf. Auch moderne und ungewöhnliche Versionen – etwa eine schwungvolle Partyfassung oder eine rockige Neuinterpretation – zeigen, wie vielfältig das Lied gelesen werden kann.

Ein besonderer Moment war zudem das Duett mit Stefanie Hertel, das auf dem Album „Authentisch“ erschien und dem Klassiker eine neue emotionale Dimension verlieh. Seit 2025 ergänzt auch Sänger Hardy mit einer kraftvollen Rockversion die lange Reihe der Coverinterpretationen.

Zusammenfassung

„Sag ihr auch“ ist weit mehr als ein erfolgreicher Schlager. Es ist ein Lied über Gefühle, die bleiben, über Erinnerungen, die verbinden, und über Musik, die Generationen überdauert. Das Lied überzeugt durch seine schlichte Ehrlichkeit, seine gefühlvolle Interpretation und seine zeitlose Botschaft. Es erinnert daran, dass manche Worte manchmal zu spät ausgesprochen werden – ihre Bedeutung jedoch für immer bleibt.