Österreichische Kaffeespezialitäten: Vielfalt mit Geschichte

Ob Melange, Einspänner, Fiaker oder Franziskaner – die Speisekarten österreichischer Kaffeehäuser lesen sich wie eine Entdeckungsreise durch die Kaffeekultur des Landes. Besonders Wien gilt als Hochburg dieser Tradition, wo das Kaffeehaus nicht nur ein Ort des Genusses, sondern auch des gesellschaftlichen Austauschs ist. Doch welche Geschichten verbergen sich hinter den fantasievollen Namen der Kaffeespezialitäten?

Wiener Melange

Die Wiener Melange zählt zu den bekanntesten Kaffeegetränken der Hauptstadt. Der Begriff „Melange“ stammt aus dem Französischen und bedeutet „Mischung“ – eine Anspielung auf das elegante Flair, das französische Kultur und Sprache im 18. und 19. Jahrhundert am Wiener Hof verbreiteten. Das Getränk besteht aus einem Espresso, etwas heißem Wasser (etwa 20 bis 50 ml) und wird mit lockerem Milchschaum abgerundet.

Verlängerter

Der Verlängerte ist die österreichische Variante des italienischen Espresso Lungo oder des Americano. Ein einfacher Espresso wird hier mit zusätzlichem heißem Wasser gestreckt, wodurch ein milderes Geschmackserlebnis entsteht – ideal für den Genuss am Nachmittag oder zu einem Stück Kuchen.

Kleiner und großer Brauner

Der kleine Braune mit einem einzelnen Shot Espresso und der große mit zwei – sie sind die österreichische Version des italienischen Espresso oder Espresso Doppio. Das Besondere: Milch oder Schlagobers (Sahne) werden separat serviert, damit jeder Gast seine bevorzugte Intensität selbst bestimmen kann.

Mokka und „kleiner Schwarzer“

Wer in Österreich einen Mokka bestellt, erhält in der Regel einen starken Espresso, gelegentlich leicht verlängert mit wenig Wasser. In der Alltagssprache nennt man ihn auch „kleiner Schwarzer“, während der „große Schwarze“ einfach die doppelte Menge umfasst. Trotz seines Namens ist dieser Mokka nicht exklusiv österreichisch – Varianten finden sich ebenso in Ländern wie Griechenland, der Türkei oder Italien.

Fiaker

Namensgeber dieser Spezialität ist die berühmte Wiener Pferdekutsche. Der Fiaker ist ein kräftiger doppelter Mokka, der mit Zucker und einem Schuss Alkohol – meist Sliwowitz, Kirschwasser oder Rum – serviert wird. Früher half dieses Getränk den Kutschern, sich bei kaltem Wetter warmzuhalten.

Biedermeier

In Anlehnung an die gleichnamige Kunstepoche des 19. Jahrhunderts wurde dieser Kaffee benannt. Ähnlich dem Fiaker enthält er Alkohol – genauer gesagt Marillenlikör (Aprikosenlikör) – und wird mit einem doppelten Espresso, etwas Milch und einer Haube Schlagobers zubereitet. Ein aromatischer Klassiker mit nostalgischem Flair.

Einspänner

Auch der Einspänner ist nach einer traditionellen Kutsche benannt. Ursprünglich für Kutscher konzipiert, enthält er einen kräftigen Espresso und wird mit einer dicken Schicht Schlagobers bedeckt. Diese diente früher als natürliche Isolierung, damit der Kaffee selbst bei langen Fahrten nicht auskühlte oder verschüttet wurde.

Franziskaner

Trotz des Namens hat dieses Getränk nichts mit Franziskanermönchen zu tun – außer vielleicht der Farbe ihrer Kutten, die der Kaffee ähnelt. Der Franziskaner basiert auf einer Melange, wird jedoch zusätzlich mit heißer Milch verlängert und mit einem Häubchen Schlagobers veredelt. Eine besonders cremige Variante für Liebhaber milder Aromen.

Kapuziner

Diese Spezialität diente vermutlich als Vorlage für den international bekannten Cappuccino. Der Kapuziner besteht aus einem Espresso, etwas heißem Wasser und wird mit flüssigem Schlagobers verfeinert – alternativ auch mit einer Sahnehaube. Der Name verweist auf die bräunlich-rote Robe der Kapuzinermönche, die der Farbton des Kaffees imitiert.

Das Glas Wasser zum Kaffee

Ein unverzichtbares Detail beim Kaffeegenuss in Österreich ist das begleitende Glas Wasser. Was heute als höfliche Geste gilt, hatte ursprünglich praktische Gründe: Es sollte den benutzten Löffel aufnehmen oder zur Neutralisierung des Geschmacks dienen. Mit dem Bau der I. Wiener Hochquellenleitung im Jahr 1873 gewann das Wasserglas zusätzlich an Symbolkraft – es unterstrich die Qualität des verwendeten Quellwassers. Bis heute ist es in Wiener Kaffeehäusern ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber dem Gast.

Zusammenfassung

Die österreichische Kaffeekultur ist geprägt von Vielfalt, Geschichte und gesellschaftlicher Bedeutung. Ob Melange, Einspänner oder Fiaker – jede Spezialität erzählt ihre eigene Entstehungsgeschichte und zeigt, wie tief Kaffee im Alltag der Österreicher:innen verwurzelt ist. Besonders Wien gilt seit Jahrhunderten als Zentrum dieser Tradition, in der Genuss, Gastfreundschaft und Qualität eine zentrale Rolle spielen. Das Glas Wasser zum Kaffee, heute ein typisches Detail, ist Symbol für eine lange gepflegte Kaffeehauskultur, die bis heute lebendig geblieben ist.