ÖSD Zertifikat C1, Schreiben, Generation Offline

Die kleine südfranzösische Gemeinde Gordes im Département Vaucluse

Prüfung ÖSD Zertifikat C1

Modul Schreiben, Aufgabe 2: Freie Textproduktion

Das Thema: „Generation Offline“

Situation: In einer Zeitung haben Sie folgenden Artikel gelesen:

Die neue „Generation Offline“

Während sich die meisten Menschen ein Leben ohne ständige Erreichbarkeit weder vorstellen können noch wollen, ist die Absage an digitale Kommunikationstechnologien für andere zum Ideal avanciert. Parallel zu einer quasi „übervernetzten“ Gesellschaft, in der es essenziell, wenn nicht sogar ein Zwang geworden ist, stets auf dem allerneuesten Stand zu sein, entstehen vielerorts Gemeinschaften, die eine Welt ohne Smartphones und Tablets propagieren. Aber ist es überhaupt möglich, unserer von digitaler Vernetzung geprägten Welt ganz zu entsagen? „Eine völlige Abkehr von digitalen Medien ist heute kaum mehr möglich, ohne dabei automatisch den Status als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft einzubüßen. Häufig erfahren Menschen, die sich von digitalen Entwicklungen gänzlich abwenden, soziale Ausgrenzung. Man sollte daher einen gesunden Mittelweg finden, etwa indem man bewusst mehrere Stunden am Stück oder vielleicht sogar ein Wochenende lang darauf verzichtet, E-Mails oder Handynachrichten zu beantworten“, sagt der Soziologe Ingemar Zellweger.

Schreiben Sie nun für ein Seminar eine Stellungnahme. Schreiben Sie mindestens 250 Wörter und gehen Sie dabei auf folgende Punkte ein:

  • Fassen Sie die relevanten Informationen des Artikels zusammen.
  • Argumentieren Sie: Welche Vor- und Nachteile sehen Sie darin, auf Handy, Tablet und Co zu verzichten bzw. die Verwendung dieser Geräte bewusst einzuschränken?

Erläutern Sie:

  • Wie ist Ihre persönliche Meinung zu diesem Thema?
  • Hat dieser Trend Zukunft? Warum (nicht)?

Berücksichtigen Sie dabei auch den Aufbau des Textes (Einführung in das Thema, Aufbau einer Argumentation, Schlussfolgerung). Übernehmen Sie die Vorgaben nicht wortwörtlich, sondern verwenden Sie eigene, situationsangemessene Formulierungen.

Beispiel der Ausarbeitung

„Generation Offline“ – bewusster Verzicht in einer digitalisierten Welt

In einem Zeitungsartikel wird der neue Trend zur „Generation Offline“ thematisiert – eine Bewegung, die sich bewusst gegen die ständige digitale Erreichbarkeit stellt. Die Vertreter dieser Bewegung lehnen Smartphones, Tablets und ähnliche Geräte ab und versuchen, ein Leben ohne permanente Online-Präsenz zu führen. Diese Idee wirft jedoch wichtige Fragen auf: Ist ein Leben ohne digitale Medien in unserer heutigen Gesellschaft überhaupt realistisch?

Laut dem Soziologen Ingemar Zellweger ist eine vollständige Abkehr von digitalen Medien jedoch kaum möglich, ohne gesellschaftliche Nachteile zu erfahren. Stattdessen empfiehlt er einen ausgewogenen Mittelweg, etwa durch zeitlich begrenzten Verzicht auf E-Mails und Handynachrichten.

Die bewusste Einschränkung der Nutzung digitaler Geräte bietet sowohl Chancen als auch Risiken. Zu den Vorteilen gehört zweifellos die Verbesserung der Lebensqualität: Weniger Bildschirmzeit kann zu mehr Konzentration, innerer Ruhe und besserer Work-Life-Balance führen. Es geht darum, die Bildschirmzeit zu reduzieren und sich bewusst anderen Aktivitäten zu widmen, Zeit für sich selbst zu nehmen und zur Ruhe zu kommen. Wer sich regelmäßig Offline-Zeiten gönnt, fördert auch seine zwischenmenschlichen Beziehungen – persönliche Gespräche ersetzen flüchtige Chatnachrichten.

Allerdings bringt der Verzicht auch Nachteile mit sich. In vielen beruflichen und sozialen Bereichen ist eine ständige Erreichbarkeit mittlerweile selbstverständlich. Wer sein Handy bewusst ausschaltet, riskiert, wichtige Informationen zu verpassen oder als unzuverlässig wahrgenommen zu werden. Im Berufsleben kann dies sogar zu Konflikten führen.

Ich persönlich finde den Gedanken, sich bewusst Auszeiten von der digitalen Welt zu nehmen, sehr sinnvoll. Auch wenn ich mein Smartphone beruflich und privat intensiv nutze, merke ich, wie wohltuend es sein kann, für einige Stunden oder gar ein ganzes Wochenende offline zu sein. Die eigene Nicht-Erreichbarkeit kommuniziere ich immer klar vorab. Solche Pausen ermöglichen es mir, mich zu entspannen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Zu Hause habe ich bewusste Offline-Zonen wie das Schlafzimmer etabliert, in denen Handys, Laptops und ähnliche Geräte tabu sind.

Meiner Meinung nach hat dieser Trend durchaus Zukunft. In einer zunehmend digitalen Welt wächst das Bedürfnis vieler Menschen nach Entschleunigung. Es wird vermutlich keine vollständige Rückkehr zu einer analogen Lebensweise geben, aber digitale Auszeiten könnten sich als wichtige Ergänzung etablieren – nicht als Verzicht, sondern als bewusste Entscheidung für mehr Lebensqualität. Durch digitale Auszeiten kann man die Konzentration verbessern, Stress verringern und sich entspannter fühlen.

Abschließend lässt sich sagen, dass ein reflektierter Umgang mit digitalen Medien in unserer heutigen Zeit unerlässlich ist. Die bewusste Entscheidung, zeitweise offline zu sein, bietet eine wertvolle Möglichkeit, das eigene Wohlbefinden zu stärken, ohne dabei vollständig auf die Vorteile der digitalen Welt verzichten zu müssen. Deshalb ist ein gutes Gleichgewicht zwischen online sein und digitaler Pause wahrscheinlich der beste Weg für die Zukunft.

Foto: Die kleine südfranzösische Gemeinde Gordes im Département Vaucluse