50 Jahre nach Kriegsende: Vietnam bereitet sich auf riesige Gedenkfeiern vor

Präsidentenpalast, Hanoi

Am 30. April 2025 jährt sich das Ende des Vietnamkriegs zum fünfzigsten Mal – ein Datum von enormer Bedeutung für das Land, das damals durch einen langen und blutigen Konflikt tief gespalten war. In ganz Vietnam – und besonders in Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, laufen die Vorbereitungen für die Jubiläumsfeierlichkeiten auf Hochtouren.

Der Krieg, der in Vietnam als „Amerikanischer Krieg“ bekannt ist, fand am 30. April 1975 mit dem Einmarsch nordvietnamesischer Truppen in Saigon sein Ende. Dieses Ereignis markierte nicht nur das offizielle Ende des Krieges, sondern auch den Beginn der Wiedervereinigung Vietnams. Heute, ein halbes Jahrhundert später, wird dieses historische Datum mit großer Symbolkraft und nationalem Stolz begangen.

In den Straßen der Ho-Chi-Minh-Stadt dominieren bereits jetzt patriotische Banner, Plakate und digitale Leuchttafeln, die an den Sieg und die Errungenschaften der letzten 50 Jahre erinnern. Der Wiedervereinigungspalast, einst Regierungssitz Südvietnams und Ort des symbolträchtigen Kriegsendes, wird zum Zentrum der Gedenkveranstaltungen. Dort entsteht aktuell eine monumentale Tribüne für eine Militärparade, bei der rund 13.000 Teilnehmer sowie eine große Flugshow erwartet werden.

Hochrangige Delegationen, darunter Staats- und Regierungschefs, Vertreter und internationale Freunde – auch aus den USA – haben ihre Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Wiedervereinigung Vietnams bestätigt.

Technik und Tradition: Ein Fest der Superlative

Hanoi wird am 22. und 27. April zwei Feuerwerke veranstalten, um den 50. Jahrestag der Befreiung des Südens und der nationalen Wiedervereinigung zu feiern. In der Ho-Chi-Minh-Stadt werden Feuerwerke an über 30 Standorten am 30. April gezündet.

Besonders spektakulär soll die geplante Drohnenshow in der Ho-Chi-Minh-Stadt ausfallen: Über 10.000 Drohnen werden in einer aufwendigen Choreografie den Himmel erleuchten – ein technisches Großereignis, wie es das Land bisher nicht erlebt hat.

Während der Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Wiedervereinigung wird der Wiedervereinigungspalast im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Der Palast war der Ort, an dem das Ende des Vietnamkrieges besiegelt wurde. Am 30. April 1975 durchbrach ein nordvietnamesischer Panzer die Tore des Palastes. Dies markierte das Ende des Vietnamkrieges. Hier wird die große Militärparade stattfinden, begleitet von kulturellen Darbietungen und Gedenkveranstaltungen – ein kraftvolles Zeichen für den langen Weg Vietnams vom geteilten Land zur geeinten Nation.

In diesem Jahr werden erstmals auch Militärkontingente aus China, Laos und Kambodscha neben Einheiten der Vietnamesischen Volksarmee und anderen inländischen Kräften an der Militärparade teilnehmen. Damit richtet Vietnam zum ersten Mal in seiner Geschichte eine nationale Militärparade mit internationaler Beteiligung aus. Das ist ein deutliches Zeichen für die wachsenden verteidigungspolitischen Beziehungen und die vertiefte Zusammenarbeit zwischen den Ländern.

Auch der Tourismus erlebt durch das Gedenkjahr einen starken Aufschwung. Besonders in Ho-Chi-Minh-Stadt verzeichnen Hotels und Museen deutlich mehr Besucher als üblich. Das Kriegsmuseum, offiziell bekannt als „War Remnants Museum“, mit seinen eindrücklichen Exponaten – darunter Panzer, Flugzeuge und Fotografien der Kriegsjahre – ist ein zentraler Anziehungspunkt. Es wurde ursprünglich 1975 eröffnet, unmittelbar nach dem Ende des Vietnamkriegs, und dient als Mahnmal und Bildungsstätte. Ziel des Museums ist es, die Schrecken des Krieges zu dokumentieren und die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung sowie die Umwelt zu verdeutlichen. Durch Fotografien, Dokumente und Ausstellungsstücke wird die Geschichte Vietnams lebendig gemacht und das Ausmaß der Grausamkeit aufgezeigt.

Das Tunnelsystem von Cu Chi, etwa 40 Kilometer nordwestlich von Ho-Chi-Minh-Stadt gelegen, ist auch eine der meistbesuchten historischen Stätten Vietnams. Es wurde vom Vietcong im Vietnamkrieg als Versteck, Nachschubroute und Lebensraum genutzt. Heute können Besucher die engen Gänge besichtigen und so einen authentischen Eindruck vom Lebens- und Kampfbedingungen gewinnen.

Hintergrund: Ein Krieg mit globalen Folgen

Der Vietnamkrieg begann in den 1950er Jahren nach der Unabhängigkeit von Frankreich. Es entbrannte ein Bürgerkrieg zwischen dem kommunistischen Norden und dem prowestlichen Süden. Die USA griffen ab 1964 massiv in das Geschehen ein, offiziell um den Vormarsch des Kommunismus zu stoppen. Doch der Krieg entwickelte sich zu einem Desaster – nicht nur militärisch, sondern auch moralisch.

Der Einsatz von Napalm und des hochtoxischen Entlaubungsmittels Agent Orange hatte verheerende Folgen für Mensch und Umwelt. Bis heute leiden Tausende an den Spätfolgen. Auf amerikanischer Seite starben über 58.000 Soldaten, Hunderttausende kehrten traumatisiert zurück. Der Krieg wurde zum Symbol für einen gescheiterten Interventionismus und führte zu einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel in den USA.

Ein Blick nach vorn

Heute setzt Vietnam auf Versöhnung und Entwicklung. Das Land hat sich wirtschaftlich geöffnet, junge Generationen blicken optimistisch in die Zukunft. Die Jubiläumsfeiern sind deshalb nicht nur ein Rückblick auf eine schmerzhafte Vergangenheit, sondern auch ein Ausdruck von Stolz über das Erreichte – und ein Zeichen dafür, dass selbst aus den dunkelsten Kapiteln der Geschichte neue Hoffnung entstehen kann.

Foto: Präsidentenpalast, Hanoi